oder: Was Du schon immer über AMIGA-Lizenz-Schallplatten wissen wolltest.

Jimi Hendrix (1983)

AMIGA 855378
(eigene Sammlung)

Vorbemerkung

Die vorliegende AMIGA-LP wurde aus mehreren LPs zusammengestellt, die sogar im Covertext aufgezählt werden. Bei „Axis: Bold As Love“ hat sich ein Tippfehler eingeschlichen: Der Doppelpunkt hinter „Axis“ wurde zu einem Komma.

Die Lieder wurden aus den folgenden LPs übernommen:

  • 1967 – Are You Experienced (Red House)
  • 1967 – Axis: Bold As Love (She’s So Fine)
  • 1968 – Smash Hits (The Wind Cries Mary)
  • 1969 – Electric Ladyland (All Along The Watchtower)
  • 1970 – Cry Of Lve (Straight Ahead, Drifting, Night Bird Flying, My Friend)
  • 1972 – War Heroes (Bleending Heart, 3 little Bears)

Das Coverfoto stammt von der Rückseite der LP „In The West“ und wurde vom amerikanischen Fotografen „Jim Marshall“ (James Joseph Marshall) aufgenommen. AMIGA macht dazu keine Angaben.

Covertext

Die Rockgeschichte begann mit Außenseitern und wurde von ihnen maßgeblich mitgeschrieben. Musiker wie Bob Dylan, Frank Zappa und Jimi Hendrix waren es, die der Rockmusik entscheidende Impulse gaben. Dylan wurde zum Symbol des Folkrock, Frank Zappa zu einem wesentlichen Vertreter des Undergrounds in der Musik. Jimi Hendrix schließlich verkörperte die avantgardistische Rockmusik der Flower-Power-Bewegung an der Schwelle der siebziger Jahre. Noch heute klingt im Spiel vieler Rockgitarristen sein Einfluß nach.

Der Weg begann für Jimi Hendrix ganz unten. Am 27. November 1942 wurde James Marshall Hendrix in Seattle, USA-Staat Washington, als Sohn eines Landschaftsgärtners geboren. Die Mutter starb als Alkoholikerin, als er zehn Jahre alt war. Mit elf Jahren bekam er seine erste akustische, ein Jahr später eine elektrische Gitarre. Bereits in der Schule hatte er diverse Bands. Nach dem Armeedienst tingelte er in ca. 40 Rhythm and Blues- und Soul-Bands durch die Lande.

B.B. King, Sam Cooke, Solomon Burke, Little Richard, Ike & Tina Turner, Wilson Pickett, Curtis Knight und viele andere verhalfen ihm zu musikalischer Praxis. Seine erste eigene Gruppe waren die Blue Flames. Als er im „Café Wha“ im New Yorker Greenwich Village spielte, hörte ihn Chas Chandler, ehemals Bassist bei den Animals. Er nahm Hendrix mit nach London und wurde sein Manager. „Ich hatte die Wahl, hier in Amerika weiter als fünftklassiger Musiker herumzulaufen, oder die Chance wahrzunehmen, in London groß rauszukommen. Mich reizte das Zweite“, resümierte Hendrix später.

Am 3. Dezember gibt er sein Debüt vor der Londoner Musikprominenz. Abgesehen von seinem Äußeren, das später von Tausenden seiner Fans imitiert wird, sorgt die Art, wie er mit seinem Instrument umgeht, für Aufsehen. Er bearbeitet die Gitarre mit Zähnen, Zunge und Ellenbogen, kniet vor ihr, tritt, schlägt und streichelt sie, und produziert Töne, die bis dahin noch niemand gehört hat.

Damit waren die Weichen gestellt. Als Frankreichs Rockidol Johnny Hallyday den neuen Star für seine Show im Pariser „Olympia“ haben will, wird in Windeseile ein Trio zusammengestellt – The Experience. Noel Redding (bg) und John „Mitch“ Mitchell (dr) sind die Partner. Das Modell für diese Besetzung liefern Who und Cream. Eine anschließende Europa-Tournee läßt die Dimensionen zukünftiger Erfolge ahnen. Die erste Single ist „Hey Joe“, eine dramatische Ballade über einen Mann, der seine untreue Frau ertappt, sie erschießt und nach Mexiko flieht. Die Platte wird sofort ein Verkaufserfolg. Es folgen die Singles „Purple Haze“ und „The Wind Cries Mary“. Sie ebnen den Weg für die große Karriere in Amerika.

Ein Konzert der Experience mit einem Barockmusik-Quintett in der New Yorker Philharmonie und die USA-LP „Electric Ladyland“ sind die Höhepunkte des Jahres 1968. Der Tourneen-Streß – in den USA hatte er z.B. 54 Konzerte in 47 Tagen zu absolvieren -, sein ausschweifender Lebensstil und Drogen, die ihm über private und künstlerische Probleme hinweghelfen sollten, beginnen, ihren Tribut zu fordern. Es kommt zu Streitigkeiten in der Gruppe, die ein Jahr später zur Trennung führen. Ein letzter Höhepunk ist das Woodstock-Festival im August 1969, wo Hendrix vor fast einer halben Million Jugendlichen über die amerikanische Nationalhymne improvisiert, Bombenexplosionen und Maschinengewehrfeuer imitiert und sie in atonale Disharmonien zerfetzt.

Die neue „Band of Gypsies“ (Hendrix, Billy Cox – b, Buddy Miles – dr) besteht nur zwei Monate. Danach spielt Hendrix mit Mitchell und Cox, filmt in Hawaii und arbeitet in seinem Studio in New York, dem „Electric Ladyland“. Sein Auftritt beim Isle of Wight Festival ist ein Indiz mehr für den Niedergang des Stars. Die Bedürfnisse des Marktes waren unbeschränkt, seine physischen Möglichkeiten naturgemäß nicht. Am 18. September 1970 wird Hendrix in seinem Londoner Hotelzimmer nach übermäßigem Alkoholgenuß und Einnahme von Schlaftabletten tot aufgefunden.

Über 30 Langspielplatten gibt es heute von Jimi Hendrix. Einige der besten Titel seiner großen Zeit sind auf vorliegender Platte enthalten. Berücksichtigung fanden dabei die LPs „Are You Experienced“ (1967), „Axis, Bold As Love“ (1967), „Smash Hits“ (1968), „Electric Ladyland“ (1969), „Cry Of Love“ (1970) und „War Heroes“ (1972).

Hendrix sagte von sich selbst oft, daß er nicht singen kann. Sein schleppender, schnörkelloser Sprechgesang erinnert in der Diktion oft an Bob Dylan. Hauptinstrument war für Hendrix immer die Gitarre. Durch Rückkopplung, Überlagerung, Echo-, Hall- und Verzerrungseffekte und neuartige Grifftechniken erschloß er ihr neue Ausdrucksmöglichkeiten, die allerdings erst auf der Bühne in ausgedehnten Improvisationen voll zur Geltung kamen. Selbst Mangel der technischen Apparatur bezog er ein. Virtuosität gerät jedoch bei Hendrix nie zum Selbstzweck. Sein Repertoire besteht zum größten Teil aus Eigenkompositionen, die sich allerdings auch nur in seiner Interpretation voll entfalten. Im Repertoire anderer Sänger setzten sie sich nicht durch – Beweis mehr für die ausgeprägte Personalunion von Texter, Komponist und Interpret, wie sie nicht allzu häufig ist. Wie Dylan fühlte sich Hendrix der Blues-Tradition seiner Heimat verpflichtet, ohne sich jedoch davon einengen zu lassen. In seinen Songs bringt er die Enttäuschung, aber auch den Zorn seiner Generation zum Ausdruck. Direkte politische Bezüge sind selten. Den musikalischen Höhenflügen entsprachen Science-Fiction-Texte.

Unvergeßlich bleibt die Tragik eines Menschen, der sich vom Erfolg nicht korrumpieren ließ, ihm letztendlich aber doch zum Opfer fiel.

Rainer Bratfisch (1983)

Titelliste

A1 – The Wind Cries Mary – 3:15

A2 – Straight Ahead – 4:42

A3 – Bleeding Heart – 3:10

A4 – Drifting – 3:46

A5 – Night Bird Flying – 3:50

B1 – Red House – 3:45

B2 – All Along The Watchtower – 3:58

B3 – She’s So Fine – 2:43

B4 – My Friend – 4:40

B5 – 3 Little Bears – 4:10

Kompositionen und Texte: Jimi Hendrix

Titel 7: Bob Dylan
Titel 8: Otis Redding

Übernahme von Polydor International GmbH, Hamburg/BRD

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24.04.2022 – veröffentlicht
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