oder: Was Du schon immer über AMIGA-(Lizenz-)Schallplatten wissen wolltest.

Tracy Chapman – Same (1990)

AMIGA 856502
SLPXL 37267 (GONG – Sublabel von Hungaroton)
(je 1 Exemplar – eigene Sammlung)

Covertext

Wer ist Tracy Chapman? Diese Frage hätte vor dem 11.Juni 1988 mit Sicherheit ein „Keine Ahnung!“ geerntet. Und das nicht nur bei den meisten hierzulande. Der Auftritt vor 75.000 im Londoner Wembley Stadion zum „Tribute To Nelson Mandela“ – Konzert an diesem Tag änderte das schlagartig, bedingt durch das großartige Medienspektakel auch weltweit. Allein in London gingen am darauffolgenden Montag 12.000 Exemplare der vorliegenden Debüt-LP über den Ladentisch. Bis heute ist die Verkaufszahl in der ganzen Welt auf über 9 Millionen angestiegen und immer noch geistert sie durch die internationalen Charts. Superlative wie „Senkrechtstarterin“ und „ganz große Abräumerin“ sprudelten der Fachpresse nur so über die Lippen. Wer also ist Tracy Chapman?

Geboren in Cleveland/Ohio griff die Tochter einer E-Gitarren-Mama mit 11 oder 12 selbst zur „Klampfe“. Pubertären Frust zu artikulieren, mag ihr damals wichtig gewesen sein, doch sehr bald verspürte sie das Bedürfnis, das gesellschaftliche Spannungsfeld der sie umgebenden „Ärmsten der Armen“ in stark politisch motivierten Songs mit teilweise auch unbequemen Fragestellungen einfließen zu lassen („Why?“). Die für ihr Alter beachtliche politische Reife und Engagement („Talkin‘ Bout A Revolution“ schrieb sie mit 19!) lassen auf harte Lebenserfahrungen schließen.

Was wundert es, daß Tracy Chapman für den Ausdruck solcher Inhalte den für sie praktikabelsten und für diese Genre traditionsreichsten Musizierstil wählte – den Folkgesang. Um eine schlichte Kopie von Singer-Songwriter-Idolen der 60er und 70er Jahre handelt es sich trotzdem nicht. Tracy Chapman ist für ein sehr großes Publikum authentisch und glaubwürdig, gehört sie doch als Frau und Farbige gleich zwei nach wie vor diskriminierten Bevölkerungsschichten an. Tracy Chapman ist in ihren Aussagen geradlinig, einfach, jedoch nicht simpel. Sie verzichtet auf Mystizismen und noble Tristesse, vermag Humanes und Inhumanes in der schlichten Darstellung alltäglicher Handlungsweisen, selbst in einem Liebeslied („Fast Car“; „Baby Can I Hold You“) überzeugend rüberzubringen. Tracy Chapman ist unkorrumpiert, ebenso wie ein Millionenpublikum in Ost und West, welches in der Bewahrung des Menschseins die einzige Chance für die globale Bewahrung der Menschheit sieht. Angesichts dieses in den letzten Jahren stark gewachsenen sozialen Stellenwertes von Rockmusik, erscheint es oberflächlich und dümmlich, Tracy Chapman zur Vorreiterin einer neuerlichen Folk-Welle oder gezielter Frauenoffensiven in den internationalen Hit-Paraden machen zu wollen. Eine derartige kommerzielle Tragfähigkeit hatte ihr nicht einmal die eigene Plattenfirma zugetraut, als sie Mitte der 80er Jahre in den Folk-Clubs von Boston/Ohio entdeckt wurde. Zudem erschien es unwahrscheinlich, einem breiten Käuferkreis klarmachen zu können, daß eine junge Farbige nicht automatisch Funk und Soul singen muß. Die Tatsache, daß David Kershenbaum sich ihrer annahm war sicherlich ein Glücksumstand. Der hochprofessionelle Produzent solcher Stars wie Joan Baez, Joe Jackson und Graham Parker brachte nicht nur die LP-Produktion in die richtige Bahn, sondern setzte auch den Promotion-Apparat in Gang, um schließlich die vollkommen Unbekannte über die Mandela-Nacht berühmt zu machen.

Die ursprünglich für akustische Gitarre und Stimme geschriebenen Songs der vorliegenden LP erhielten in der Teamarbeit Chapman/Kershenbaum einen unaufwendigen, transparenten und songdienlichen Rocksound. Dominierender Rahmen ist der Rhythmus der routinierten Denny Fongheiser (perc, drums) und des Bassisten Larry Klein (Der Ehemann von Joni Mitchell). Trotzdem gibt die clevere Instrumentierung jedem Stück eine eigene Identität. Monotonie wird gleichsam ausgeschlossen. Das Spektrum reicht vom rockig-zupackenden (Talkin‘ Bout A Revolution), afrikanisch anmutenden Rhythmen (Mountains O’Things), a cappella (Behind The Wall) bis hin zum beinahe poppigen (Baby Can I Hold You). Alles dient der Grundidee, engagierte Inhalte, vor allem aber eine einmalige Stimme hervorzuheben und zu tragen. Die künstlerische Reife, mit der Tracy Chapman ihr urwüchsiges Gesangsorgan beherrscht, schließt den bösen Verdacht einer musikalischen Eintagsfliege aus und macht die heute 26jährige zu einer echten Empfehlung auch für die 90er Jahre.

Stephan Rudat (1990)

Titelliste

A1 – TALKIN‘ BOUT A REVOLUTION – 2:38

A2 – FAST CAR – 4:58

A3 – ACROSS THE LINES – 3:22

A4 – BEHIND THE WALL – 1:46

A5 – BABY CAN I HOLD YOU – 3:16

B1 – MOUNTAINS O‘ THINGS – 4:37

B2 – SHE’S GOT HER TICKET – 3:54

B3 – WHY?  – 2:01

B4 – FOR MY LOVER – 3:15

B5 – IF NOT NOW … – 2:55

B6 – FOR YOU – 3:09

Kompositionen, Texte und Arrangements:
Tracy Chapman

Übernahme von WEA Musik GmbH, Hamburg/BRD
(P) 1988 Elektra Rec., USA

VEB DEUTSCHE SCHALLPLATTEN BERLIN DDR
Made in The German Democratic Republic
Druck: VEB VMW „Ernst Thälmann“,
Werk Gotha-Druck
Verpackung nach TGL 10609   90/A

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