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Nat King Cole (1966)

AMIGA 850077
(1 Exemplar – eigene Sammlung)

Vorbetrachtung

Zur besseren Lesbarkeit wird jede Spalte im Covertext als eigener Absatz dargestellt. Nur der letzte war ein eigener Absatz in diesem umfangreichen Covertext.

Covertext

Sein eigentlicher Name lautete Nathaniel Adam Coles, geboren am 17. 3. 1917 in Montgomery/Alabama. Schon im Kindesalter saß er hinter den Klaviertasten, um später im Sextett seines Bruders, dem Bassisten Eddie C., sein erstes Engagement zu absolvieren. Dann zog es ihn, wie bereits ungezählte Südstaaten-Neger der USA, in Richtung Norden. In Chicago, der Jazz-„Hochburg“, unter dem direkten Einfluß des berühmten Pianisten Earl Hines, formte sich um die Mitte der dreißiger Jahre endgültig sein flüssig-swingender, moderner Pianostil, mit dem er zu erster Popularität gelangte. Nach einem ersten, nicht recht glücklichen Versuch mit eigener Gruppe, ging Nat mit der Revue „Shuffle Alang“ auf Tournee, die nach Monaten in Los Angeles endete. Für die in Rassenfragen relativ tolerante Stadt am goldenen Strand Kaliforniens empfand er sofort Sympathie, was ihn veranlaßte, sich häuslich niederzulassen, zunächst mit einer Beschäftigung als sogenannter Pausenunterhalter in Revuetheatern und Nachtklubs. Dieser Job fand eines nachts sein jähes Ende, als Nat die vom Publikum gewünschten Melodien nicht nur spielte, sondern auch sang. Der Klubbesatzer setzte ihn kurzerhand auf die Straße, mit der Bemerkung, er habe einen guten Pianisten, aber keinen schlechten Sänger engagiert. Doch schon wenig später — man schrieb inzwischen das Jahr 1938 — sollte sich das Blatt überraschend wenden. Nat hatte ein Instrumental-Vokal-Trio auf die Beine gestellt, zusammen mit dem Gitarristen Oscar Moore und dem Bassisten Wesley Prince. Diese Gruppe avancierte nicht nur binnen kurzem zur Show-Attraktion in Los Angeles, Hollywood, Chicago und New York, sondern ging darüber hinaus als eine der bemerkenswertesten Swing-Combos in die Geschichte des Jazz ein. Der Titel „lt’s Only A Paper Moon“ (eine 1961er

Neuaufnahme mit dem Gitarristen Johnny Collins und dem Bassisten Charlie Harris) bringt jene erste Erfolgs-Ära von Nat, der sich nun „King“ Cole nannte, bestens in Erinnerung. Zwischen 1944 und 1950 zählte das Trio zu den Höhepunkten zahlreicher Jazzkonzerte und fungierte es außerdem für viele namhafte Jazzmusiker (u. a. Lionel Hampton, Jay Jay Johnson, Lester Young, Shad Collins, Illinois Jacquet) als begehrte Rhythmusgruppe. Außerdem gewann Nat über mehrere Jahre in Amerikas führender Jazz-Zeitschrift DOWN BEAT den Titel „Jazzpianist Nr. 1″. Aber schließlich trat der Sänger mit der eigenartig faszinierenden „angerauhten Samtstimme“ in den Vordergrund. Es war 1950, als Nat recht skeptisch nach seiner Meinung zu einem neuen Titel gefragt wurde und ob er diesen eventuell auf Schallplatte singen würde. Um die Autoren nicht zu sehr zu enttäuschen, meinte er: „So schlecht ist der Titel nun auch wieder nicht, man kann es ja zumindest einmal probieren.“ Kurioserweise erzielte Nat „King“ Cole ausgerechnet mit dieser Aufnahme, für die Les Baxter’s Chor und Orchester die musikalische Begleitung besorgten, seinen ersten wirklich durchschlagenden Erfolg als Sänger, begann für ihn eine geradezu kometenhafte Karriere, die seinen Namen in eine Reihe mit Bing Crosby, Frank Sinatra, Perry Como und Louis Armstrong stellte. Die „folgenschwere“ Aufnahme trug übrigens den Titel „Mona Lisa“. Im gleichen Jahr kamen auch die Jazzfreunde zu ihrer Sensation, denn Nat hatte sich als Pianist und Sänger mit dem Orchester des „Progressive Jazz“, Stan Kenton, vereint. Das Ergebnis hieß: „Orange Colored Sky“ (wir hören eine 1961er Neufassung mit der Kenton-Band, basierend auf dem Originalarrangement von Pete Rugolo, mit dem Pianisten Paul Smith). 1951 folgte ein weiterer Versuch dieser Art, nun mit

dem Orchester Billy May, dessen sirenenartiger Unisono-Saxophonklang gerade haushoch im Kurs stand. Auch diese Aufnahme, der Evergreen „Walkin‘ My Baby Back Home“, traf genau ins Schwarze (auch hier handelt es sich um eine originalgetreue Neuaufnahme). In der Folgezeit zeigte sich Nat „King“ Cole fast ausschließlich in der Rolle des inzwischen in aller Welt verehrten „Pop“-Sängers, vor allem als Interpret von Balladen. Was er auch immer sang – von der Sphäre lyrischer Sensibilität bis hin zum vitalen Rhythm-And-Blues – er verlieh jedem Vortrag eine zutiefst persönliche, elegant-kultivierte, künstlerisch vollendete Note. Mit seinem unnachahmbaren Stil führte er nicht nur Neukompositionen zu internationalem Erfolg, sondern umgab er auch längst Bekanntes mit überraschend neuem Glanz. Es ist bezeichnend, daß er an sämtlichen Orchester-Arrangements, die für ihn übrigens niemals nur „Hintergrund“-Funktion besaßen, aktiven Anteil hatte und er auch selbst den jeweiligen Arrangeur wählte. So übertrug er z. B. 1951 einem bis dahin kaum bekannten Arrangeur, den er für besonders begabt hielt, die Bearbeitung einer Balladen-Komposition. Damit begann für keinen anderen als Nelson Riddle der Aufstieg zu Weltgeltung und außerdem eine ständige Zusammenarbeit mit Nat „King“ Cole, quasi als dessen Chefarrangeur. Jahr für Jahr folgte eine Erfolgsaufnahme der anderen (allein bis 1960 mehr als 600 Titel), wovon diese Platte einige der bedeutendsten („Ballerina“, „Mona Lisa“, /Answer Me“, „Star-Dust“, „Fascination“, „Too Young“, „Pretend“) enthält. Daß Nat „King“ Cole, der seit 1943 bei der amerikanischen Plattengesellschaft CAPITOL unter Exklusivvertrag stand, auch von Film und Fernsehen entdeckt wurde, erscheint fast selbstverständlich. Seine eigene Fernseh-Show, in der er ständig prominente

Kollegen vorstellte und auch manchem Nachwuchskünstler zum ersten Sprung verhalf, zählte mit zu den beliebtesten TV-Programmen Amerikas. Als höchste Ehrung in seiner Laufbahn betrachtete Nat die ihm übertragene Hauptrolle – die Darstellung des Blues-Komponisten W. C. Handy – in dem Film „St. Louis Blues“. Doch trotz aller Erfolge und offizieller Ehrungen existierte auch für Nat „King“ Cole der bittere, unbarmherzige Vorbehalt der „Rassenschranke“, unter dem er zeitlebens litt. Aber er resignierte nicht, sondern beteiligte sich mit Wort und Tat aktiv am Kampf seiner schwarzen Rasse um Gleichberechti-gung in den USA, auch dann noch, als ihn weiße Rassenfanatiker „zur Warnung“ auf offener Straße blutig zusammengeschlagen hatten. Seine zahlreichen Freunde und Kollegen, unter ihnen viele Weiße, verehrten in ihm den von beseelter Güte und Herzlichkeit erfüllten Menschen, der sich sein wohltuend verbindliches und natürliches Wesen bewahrt hatte und seine Frau sowie seine drei Kinder über alles liebte. Was charakterisiert wohl besser den Menschen Nat „King“ Cole als seine Worte: „Wenn du Kinder hast, dann hast du auch ein zu Hause. Es ist herrlich, wenn du, nachdem die Scheinwerfer erloschen sind, zu Menschen heimkehren kannst, die dich so mögen wie du bist.“

Nat „King“ Cole verstarb am 15. Februar 1965 an den Folgen eines Krebsleidens. Doch seine Musik erhält ihn für uns lebendig, sie macht ihn – um mit dem Titel einer seiner größten Erfolge zu sprechen – „unforgettable“.

Karlheinz Drechsel

Titelliste

A1 – Ballerina
(Sigman/Russell)

A2 – Ramblin‘ Rose
(J. Sherman/N. Sherman)

A3 – Mona Lisa
(Livingstone/Evans)

A4 – Answer Me, My Love
(Winkler/Rauch/Sigman)

A5 – Walkin‘ My Baby Back Home
(Ahlert/Turk)

A6 – Star-Dust
(Carmichael/Parish)

A7 – Avalon
(Rose/Jolson/De Sylva)

B8 – Orange Colored Sky
(Delugg/Stein)

B9 – Fascination
(Marchetti/Manning)

B10 – Too Young
(Lippman/Dee)

B11 – It’s Only A Paper Moon
(Arlen/Rose/Harburg)

B12 – Mucho, Mucho, Mucho
(Grever/Pasquale)

B13 – Pretend
(Douglas/Parman/La Vere)

B14 – Love
(Kaempfert/Gabler)

Es begleiten die Orchester
Stan Kenton, Les Baxter, Billy May,
Nelson Riddle, Gordon Jenkins,
Dave Cavanaugh, Ralph Carmichael,
Belford Hendricks sowie
Nat King Cole (p) mit seinem Trio

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