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Creedence Clearwater Revival (1983)

AMIGA 856008
(1 Exemplar – eigene Sammlung)

Covertext

„Ja, das waren noch Lieder …!“ – häufig gehörte Feststellung, wenn bei Geselligkeiten ein CCR-Band aufgelegt wird oder gar jemand zur Gitarre greift und – beispielsweise – „Bad Moon Rising“ intoniert. Nun wäre es töricht und ignorant, zeitgenössischen Autoren die Fähigkeit zum Aufspüren und Erfinden von Liedern, die gleichzeitig Ohrwürmer und akustische Visitenkarten wilden und ungebärdigen Rockertums sind, abzusprechen, und doch muß man fairerweise den vier Leuten von Creedence Clearwater Revival – und besonders ihrem führenden musikalischen Kopf, Songschreiber, Sänger und Lead-Gitarristen John C. Fogerty – eine in der Rock-Historie selten glückliche Hand attestieren. Ganz gewiß gab es Leute wie die Beatles, die Stones, Elvis Presley, die mehr, musikalisch wertvollere oder ganz einfach spektakulärere Hits ablieferten, trotzdem ist da irgend etwas an den Liedern von CCR, das die Hitparaden-Kapelle, die sie besonders 1969 und 1970 unbestreitbar war, heraushob aus der Menge der Bands, die mit kurzlebigen Erfolgstiteln im Gefolge der schnell wechselnden Moden und Wellen mitschwammen. Viele ihrer Lieder sind zu Klassikern der Rock-Musik geworden, nachgespielt von diversen namhaften Künstlern und doch – so behaupte ich – in ihrer Originalität nie erreicht.

Was war nun das besondere an dieser Band, die – neben John Fogerty (Id-g, voc), aus seinem Bruder Tom Fogerty (g), Stu Cook (b) und Doug Clifford (dr) bestehend – sich 1968 den Namen Creedence Clearwater Revival gab, nachdem sie bereits drei Jahre als „The Golliwogs“ und zuvor weitere fünf als die „Blue Velvets“ durch die Lande getingelt war? Zu den Markenzeichen des Quartetts gehörten immer die rauhe – ganz eindeutig an weißen Rock’n’Rollern wie Eddie Cochran und Jerry Lee Lewis geschulte aber um die Dimension schwarzer Rhythm & Blues-Barden erweiterte – Stimme des jüngeren Fogerty-Bruders John, der, wie schon gesagt, als Autor der meisten Hits von CCR die führende Rolle in der Band spielte, ebenso wie die unverkennbare, mit uhrwerksmäßiger Präzision ablaufende Rhythmus-Maschinerie.

Ein Schwelgen in großen Instrumentierungen gibt es bei Creedence nicht. Mal eine Mundharmonika, ein sparsames Klavier, ein verlorenes Saxophon – das sind die einzigen gelegentlichen Zutaten zum ansonsten gleichbleibenden CCR-Sound. Insofern bedurfte es also einer besonderen Eigenschaft, die diese meist recht kurz und unkompliziert gebauten Lieder über das Mittelmaß netter Songs hinaushob. Und das eben war ganz gewiß jene schon erwähnte glückliche Hand des Komponisten mit einem unübersehbaren Gespür für einprägsame melodische Wendungen und Rhythmen sowie für effektvolle Refrains – HEY TONIGHT, DOWN ON THE CORNER, PROUD MARY. Zusammen mit der in jahrelanger allabendlicher Live-Praxis gewachsenen Solidität, die getrost auf jegliche gekünstelte Schnörkel verzichten konnte, war es jenes Talent, das eine solche Vielzahl von CCR-Songs zu von jedermann nachzuvollziehenden Liedern – im besten Sinne des Wortes – machten und gleichzeitig immer ein Abgleiten in Banalität verhinderte.

Im Jahre 1968 erschien CCR’s erste Langspielplatte, u. a. mit der Bearbeitung des alten Rhythm & Blues Songs „Susie-Q“, das auf der vorliegenden Platte in der erst nachträglich 1976 veröffentlichten Kurzfassung zu hören ist. Schon ein Jahr später stellte Creedence Clearwater Revival unter Beweis, wie ernst John Fogerty es meinte, als er sagte, die Band versuche „auf einer Langspielplatte so viele Hits wie möglich unterzubringen“. In diesem Jahr entstanden die erfolgreichen Fassungen der alten Häftlingsballade vom MIDNIGHT SPECIAL sowie von Leadbellys Klassiker COTTON FIELDS ebenso wie das visionäre BAD MOON RISING, GREEN RIVER, DOWN ON THE CORNER sowie das Lied vom alten Dampfschiff, der „Stolzen Mary“ – PROUD MARY, das CCR’s größter Erfolgstitel werden sollte.

Auch im darauffolgenden Jahr – 1970 – setzte CCR diese Erfolgsserie fort mit Kompositionen wie LOOKIN‘ OUT MY BACK DOOR, LONG AS I CAN SEE THE LIGHT und WHO’LL STOP THE RAIN – eine Ballade, in der der Regen zum Synonym für Bedrohung und Unterdrückung wird.

Dieses Gleichnis nahm John Fogerty in dem 1971er Hit HAVE YOU EVER SEEN THE RAIN noch einmal auf.

Im gleichen Jahr, in dem mit SWEET HITCH-HIKER und HEY TONIGHT zwei weitere große und in ihrer Machart typische Creedence-Nummern erschienen, verließ Tom Fogerty die Band – aus familiären Gründen, wie es hieß. CCR ging noch einmal als Trio auf eine große internationale Tournee, um dann 1972 – nach einem ungewöhnlich langen Zeitraum für eine Gruppe, die von 1968 bis 1970 immerhin sechs LP veröffentlicht hatte – ihr siebentes Album – „Mardi Gras“ – herauszubringen. Diese Platte, von der das hier vorliegende SOME DAY NEVER COMES stammt, wies zum ersten Mal neben John Fogerty auch Stu Cook und Doug Clifford als Autoren und Sänger aus. Alles in allem ließ „Mardi Gras“ aber einiges von jener unbekümmerten, dabei doch nie gedankenlosen und eindeutig John Fogerty zu dankenden Ruppigkeit der früheren CCR-Songs vermissen. Im Oktober 72 löste sich Creedence Clearwater Revival auf. John Fogerty produzierte in der Folgezeit als Solist weitere Alben, während Stu Cook und Doug Clifford ihren stampfenden Rhythmus unter anderem bei Doug Sahm, dem früheren Chef des „Sir Douglas Quintett“ spielten. Geblieben von CCR sind eine Vielzahl von Aufnahmen, die durch ihre schlichte und ungekünstelte Musikalität zu Hits wurden in einer Zeit, da die internationale Rock-Musik sich zu immer komplizierteren Strukturen und Inhalten hinbewegte – Lieder, deren musikantischer Gestus sich auch heute noch mitteilt.

Manfred Wagenbreth (1983)

Titelliste

A1 – Have You Ever Seen The Rain – 2:39
(John C. Fogerty)

A2 – Bad Moon Rising – 2:17
(John C. Fogerty)

A3 – Cotton Fields – 2:53
(Huddie Ledbetter)

A4 – Long As I Can See The Light – 3:33
(John C. Fogerty)

A5 – Lookin‘ Out My Back Door – 2:31
(John C. Fogerty)

A6 – Green River – 2:31
(John C. Fogerty)

A7 – The Midnight Special – 4:10
(Trad., arr. John C. Fogerty)

A8 – Sweet Hitch-Hiker – 2:59
(John C. Fogerty)

B1 – Hey Tonight – 2:43
(John C. Fogerty)

B2 – Night Time Is The Right Time – 3:07
(Lew Herman)

B3 – Down On The Corner – 2:43
(John C. Fogerty)

B4 – Proud Mary – 3:05
(John C. Fogerty)

B5 – Susie – Q –  4:40
(Hawkins / Lewis / Broadwater)

B6 – Who’ll Stop The Rain – 2:28
(John C. Fogerty)

B7 – Some Day Never Comes – 3:59
(John C. Fogerty)

Übernahme von Metronome Musik GmbH, Hamburg/BRD

VEB DEUTSCHE SCHALLPLATTEN BERLIN DDR
Made in German Democratic Republic
Foto: Metronome
Gestaltung: Manfred Kempfer
Lithografie und Druck: VEB Gotha-Druck
Ag 511/01/83/A Verpackung nach TGL 10609

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