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Chicago – Greatest Hits (1979)

AMIGA 855670
(1 Exemplar – eigene Sammlung

Covertext

Es gibt nur wenige Rockgruppen, deren Name so eng mit einem bestimmten Musikstil verbunden ist wie Chicago. Diese Band formierte sich Ende 1968 in der an Jazztraditionen reichen Stadt, die ihr den Namen gab. Sie nannte sich zunächst „The Chicago Transit Authority“, kurze Zeit später nur noch „Chicago“. Ihre Mitglieder Terry Kath (g, ld-voc), Walter Parazaider (woodwinds ¹, back-voc), Lee Loughnane (tp, back-voc), James Pankow (tb, arr), Robert Lamm (keyb, ld-voc), Peter Cetera (bg, ld-voc) und Daniel Seraphine (dr) hatten Musik studiert, in bekannten Jazz-Formationen von Woody Herman oder Maynard Ferguson sowie im Chicago Symphony Orchestra gespielt. James William Guercio, ehemaliges Mitglied von Frank Zappa’s Mothers of Invention, holte die Gruppe nach Los Angeles und stellte sie nach kurzer, aber intensiver Probenzeit der Öffentlichkeit vor.

Neben Blood, Sweat & Tears war Chicago die erste Gruppe, der es gelang, eine von Jazz und Rock gleichermaßen beeinflußte Musik zu produzieren, die zu der oben angedeuteten Identifikation dieser Band mit dem „neuen“ Stil Jazz-Rock führen sollte. Sicher hatten sich bis Ende der 60er Jahre Jazz und Rock im wesentlichen unabhängig voneinander entwickelt. Die Verwendung von Bläsersätzen war bis dahin im Rock kaum üblich gewesen, ebenso beanspruchte der Rock sein elektronisches Instrumentarium für sich und auch im Bereich des Rhythmischen waren kaum Gemeinsamkeiten vorhanden. Dennoch hatte es immer wieder Fusionsversuche zwischen Jazz und Rock gegeben. Eine dieser Bands, die Chicago zu ihren wichtigsten Anregern zählen, waren die Crusaders, die bereits Anfang der fünfziger Jahre beide Richtungen verschmolzen und bis 1970 noch den Terminus „Jazz“ im Bandnamen führten.

Ende der sechziger Jahre erst war im Zuge der allseitigen stilistischen Expansion der Rockmusik ein ausreichend großes Publikumsinteresse für Jazz-Rock vorhanden. Man sprach, wenn auch nicht ganz korrekt, von der Kreation eines neuen Stils. Gleichzeitig und in der Folgezeit verliefen weitere, zum Teil unterschiedliche Entwicklungen ab, was die Verschmelzung von Jazz und Rock betrifft. Von seiten des Jazz wandten sich Miles Davis, Jeremy Steig oder Klaus Doldinger dem Rock zu, Rockgruppen wie Colosseum realisierten einen Jazz-Rock ohne Bläser und selbst in Formationen wie Emerson, Lake & Palmer waren Jazz-Anleihen unüberhörbar.

So bedarf es schon einer Eingrenzung, um zu umreißen, wie Chicago die Fusion von Jazz und Rock realisierte. Im instrumentalen Bereich koppelte die Band eine Rock-Rhythmusgruppe, bestehend aus elektrisch verstärkter Gitarre, Baßgitarre und Tasteninstrumenten sowie Schlagzeug mit einem Dreier-Bläsersatz Trompete, Posaune und Alt- oder Tenorsaxophon bzw. Flöte. Die Improvisationen weisen auf Jazzverwandtschaft hin und die Dominanz von Gesangstiteln im Repertoire läßt Chicago mehr Rockgruppe bleiben als zu einem Vertreter des vorrangig instrumental ausgerichteten Jazz zu werden.

Chicago’s Jazz-Orientierung richtete sich stark auf das lydisch-chromatische Kompositionskonzept des Arrangeurs und Komponisten George Russell, an dem sich auch Jazzmusiker wie Dizzy Gillespie, Artie Shaw, Ornette Coleman, Miles Davis oder Gil Evans zeitweise stark orientiert hatten. Man findet diese Einflüsse des Modal Jazz sowohl in den Improvisationen als auch in den meist von James Pankow besorgten Bläserarrangements. Die dadurch erzielten Klangwirkungen trugen Chicago zwar den Vorwurf der Unbeweglichkeit ein, prägten aber den Gruppenstil wesentlich.

Das musikalische Material, das Chicago bisher ablieferte, ist umfangreich. Kaum eines ihrer bisher 13 Alben enthält nur eine Langspielplatte. Neben Rocktiteln üblicher Länge enthalten diese Produktionen zum Teil überlange Suiten.

Vorliegende Porträt-LP stellt eine Auswahl von Titeln aus den Jahren 1969-1974 vor. Wenngleich Chicago auch Fremdkompositionen in das gruppentypische Soundgewand umprägte, wurde ausnahmslos Eigenes ausgewählt.

Wie sich bei Chicago Perfektion und Kompliziertheit musikalischer Strukturen verbinden, umriß eine Jazz-Fachzeitschrift mit jenem oft zitierten Satz:

„Wer gewöhnt ist, Schallplatten mitzusingen oder mitzusummen, fühlt sich, als stürze er in einen Fahrstuhlschacht; aber der Fall ist ein Erlebnis.“

Ulrich Gnoth (1979)

¹ Holzblasinstrumente (sax, fl)

Titelliste

A1 – 25 Or 6 To 4 – 4:50
(Robert Lamm)

A2 – Does Anybody Really Know What Time lt Is? – 3:40
(Robert Lamm)

A3 – Colour My World –  4:00
(James Pankow)

A4 – Just You’n‘ Me –  3:42
(James Pankow)

A5 – Saturday In The Park – 3:50
(Robert Lamm)

A6 – Feelin‘ Stronger Every Day – 4:10
(Peter Cetera/James Pankow)

B1 – Make Me Smile – 3:00
(James Pankow)

B2 – Wishing You Were Here – 4:30
(Peter Cetera)

B3 – Call On Me – 4:56
(Lee Lughnane)

B4 – Searchins So Long (I’ve Been) – 4:26
(James Pankow)

B5 – Beginnings – 6:25
(Robert Lamm)

Chicago:
Peter Cetera
James Pankow
Walter Parazaider
Terry Kath
Robert Lamm
Lee Loughnane
Danny Seraphine
Laudir de Oliveira

Übernahme von CBS Records International, USA      P

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Gestaltung/Foto: CBS
Lithografie und Druck: VEB Gotha-Druck

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