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Blood, Sweet & Tears – Greatest Hits (1980)

AMIGA 855734
(1 Exemplar – eigene Sammlung)

Covertext

Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten hatten Steve Katz (g, voc) und der bereits seit 1958 als Komponist und später auch als Produzent, Studiomusiker und Solist bekannte Al Kooper (p, org, voc) 1965 The Blues Project mit gegründet. 1967 verließen sie diese Gruppe, um – wie Kooper einmal formulierte – ein „Bläser-Abenteuer“ (brass adventure) zu unternehmen: Blood, Sweat & Tears. Sie strebten eine stilistische Bereicherung der Rockmusik in Richtung Jazz an. Der Rhythmusgruppe, zu ihr gehörten außer Kooper und Katz noch Jim Fielder (bg, g) und Bobby Colomby (dr), wurde ein Bläsersatz gegenübergestellt: Fred Lipsius (as), Randy Brecker, Jerry Weiss (tp, cor) und Dick Halligan (tb), von denen die beiden Trompeter als ehemalige Mitspieler von Horace Silver oder des Jazz Composer’s Orchestra (Brecker) bzw. von Maynard Ferguson und Les und Larry Elgard (Weiss) als Jazzmusiker bekannt waren Nach der ersten LP „Child Is Father To The Man“ (1968) verließ Kooper die Band und mit ihm die beiden Trompeter. Neben Lew Soloff und Chuck Winfield (tp) sowie Jerry Hyman (tb, org, p) wurde der Kanadier David Clayton-Thomas (voc) wichtigster Neuzugang. Der ehemalige Stahlwerker und musikalische Autodidakt hatte bereits mit verschiedenen Bands lokale Erfolge in Kanada und war zuletzt Leadgitarrist in der Begleitband des Blues-Veteranen John Lee Hooker. Seine an schwarzen Vorbildern geschulte Stimme und die Fähigkeit jazzphrasiert singen zu können wie kaum ein anderer Rocksänger, machten ihn für „Blood, Sweat & Tears“ geradezu prädestiniert. Obendrein erwies sich Clayton-Thomas als musikalisch und textlich einfallsreicher Stückeschreiber, ob er nun ein Spinnrad zum Gegenstand nimmt („Spinning Wheel“), in „Lucretia MacEvil“ ein kleines böses Mädchen beim Namen nennt (evil = übel, böse) oder mit den ihn begleitenden Bläsern um die Wette kreischt: „Geh ‚runter, spielen!“ („Go Down Gamblin“). Von der überaus erfolgreichen 2. LP „Blood, Sweat & Tears“ an verband sich der Name David Clayton-Thomas bereits derart untrennbar mit der Band und ihrem Sound, daß selbst so hervorragende Nachfolger wie Jerry LaCroix und Jerry Fisher nach Clayton-Thomas‘ Ausscheiden 1971 die von ihm vorgegebenen Hörerwartungen nicht zu erfüllen vermochten. 1974 kam er, einer wenig erfolgreichen Solo-Karriere überdrüssig, zu „Blood, Sweat & Tears“ zurück.

Produzent der ersten und teilweise auch der zweiten LP von „Blood, Sweat & Tears“ war übrigens Jim Guercio, der dann mit Chicago jene Formation übernahm, die sich stilistisch parallel zu „Blood, Sweat & Tears“ entwickelte. Im Gegensatz zu Chicago waren ständige Besetzungswechsel bei „Blood, Sweat & Tears“ an der Tagesordnung, wobei. das stilistische Konzept dennoch beibehalten wurde.

Durch Besetzung, Gesang und Arrangement in eine gruppentypische Form gebracht, floß in die Titel von „Blood, Sweat & Tears“ eine ungewöhnlich große Anzahl von Fremdkompositionen ein, sowohl als gesamte Komposition als auch in Form organisch eingearbeiteter Parts oder Musikzitate. So stammt „Hi-De-Ho“ beispielsweise von Gerry Goffin und Carole King, die Balladenspezialistin Laura Nyro zeichnet für „And When I Die“. „God Bless The Child“ ist eine Version einer Billie Holiday-Komposition und „You’ve Made Me So Very Happy“ schrieb ein Autorenteam ursprünglich für Brenda and the Tabulations aus Detroit.

Darüberhinaus wurden musikalische Vorlagen von Traffic, den Rolling Stones, James Taylor, Joe Cocker und anderen der Bearbeitung unterzogen. Aus der klassischen und zeitgenössischen Musik dienten z. B. Béla Bartók, Eric Satie, Sergej Prokofjew als Themenlieferanten, aus dem Jazz Fred Lewis oder Thelonious Monk. „Spinning Wheel“ endet gar in einer Improvisation auf „Oh, du lieber Augustin“. Einen stilistischen Ausflug in Richtung Gospel stellt „Hi-De-Ho“ dar, wozu man sich der stimmlichen Unterstützung des 27köpfigen Gospelchores „The Manhattan Borough-Wide Chorus For The Friends Of New York City“ bediente.

Die Arrangements, für eine mit Bläsersatz arbeitende Rockgruppe wie „Blood, Sweat & Tears“ äußerst wichtiger Bestandteil der musikalischen Realisation, stammen vornehmlich von Dick Halligan und Fred Lipsius, anfangs auch von Al Kooper. 1970 beurteilte Trompeter Lew Soloff das Herangehen der Arrangeure folgendermaßen: „Sie kennen das Spiel jedes einzelnen in der Band so gut, daß sie in der Tat mehr für Individuen als für eine neunköpfige Band mit unserer Besetzung schreiben.“ Interessante Klangwirkungen erzielen die Arrangeure auch über die Stammbesetzung des Bläsersatzes hinaus durch Einbeziehung seltener gespielter Instrumente wie Bariton-Horn, Piccolo-Trompete oder Tuba – ihr wurde in „Go Down Gamblin'“ ein Chorus zugedacht, den Dave Bargeron spielt.

Mit dem Jazztraditionen aufgreifenden Bläsersatz und unter Ausschöpfung der damit im Jazz bereits vorgezeichneten Möglichkeiten wie Akkordteppichen, Riffs und Chorussen hat „Blood, Sweat & Tears“ beachtliche Vorstöße in Jazz-Bereiche unternommen. Dominanz des Gesanges, Verwendung elektrisch verstärkter Instrumente, Rockrhythmik und nicht zuletzt auch Wahl musikalischer Themen sowie Zuschnitt der Eigenkompositionen weisen sie jedoch eindeutig als Rockband aus, der es gelang, ein weites musikalisches Feld zwischen Blues, Rock, Klassik, Jazz und Gospel umfassend auszuloten.

Ulrich Gnoth (1980)

Titelliste

A1 – You’ve Made Me So Very Happy
(B. Gordy, Jr. / B. Holloway / P. Holloway / F. Wilson)

A2 – I Can’t Quit Her
(A. Kooper I. Levine)

A3 – Go Down Gamblin‘
(D. Clayton-Thomas)

A4 – Hi-De-Ho
(G. Goffin / C. King)

A5 – Sometimes In Winter
(St. Katz)

A6 – And When I Die
(L. Nyro)

B1 – Spinning Wheel
(D. Clayton-Thomas)

B2 – Lisa, Listen To Me
(D. Clayton-Thomas / D. Halligan)

B3 – I Love You More Than You’ll Ever Know
(A. Kooper)

B4 – Lucretia Mac Evil
(D. Clayton-Thomas)

B5 – God Bless The Child
(B. Holiday / A. Herzog, Jr.)

Übernahme von CBS, New York/USA (P) 1972

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