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Beach Boys – The Very Best Of (1985)

AMIGA 856144
(1 Exemplar – eigene Sammlung)

Covertext

Die regnerische Seite ihrer Heimat Kalifornien war nicht das musikalische Thema der Beach Boys. Bei ihnen ging es um Mädchen am Strand, erstes Stelldichein, Spritztouren auf heißen Motorrädern, Händchenhalten im Auto und natürlich um’s Surfen, das Wellenreiten, das sich gerade in ihrer Gegend zu einer Freizeitbeschäftigung großen Stils entwickelte, und die Beach Boys sangen den freundlichen, sportlichen, sonnengebräunten Jungen und Mädchen von gleich nebenan die passenden Lieder dazu. FUN FUN FUN – viel Spaß und gute Schwingungen, das war das Markenzeichen des sogenannten Surf-Sounds, einer der Spielarten der populären Musik, wie sie in den USA zu Anfang der 60er Jahre zwischen frühem Rock‘n Roll und britischer Beat-Invasion entstanden.

Aus Gitarrenriffs wie denen von Chuck Berry und aus Gesangssätzen wie denen der Four Freshmen entwickelte sich dieser Stil, zu dessen Entstehen und Verklärung die Beach Boys Wesentliches beitrugen. „Wir hatten in den USA die gleiche Funktion wie die Beatles in England“, sagte einmal Brian Wilson, musikalisches Oberhaupt der Gruppe. Angesichts der Kreativität und Vielseitigkeit der Beatles erscheint eine solche Äußerung aus heutiger Sicht allerdings eine Nummer zu groß geraten. Zugestehen muß man den Beach Boys jedoch, daß sie in die Rock- und Pop-Musik nicht mehr wegzudenkende Einflüsse und Anregungen einbrachten, daß sie mit ihren Platten – nicht nur in ihrer Heimat – ein immenses Fanpotential mobilisierten und das immerhin schon vor den Beatles. Der Stern der Beach Boys erstrahlte erstmalig im Jahre 1961.

Damals nahmen sie ihren ersten Song SURFIN‘ auf, der ihnen einen Achtungserfolg bescherte und den Namen eintrug, unter dem sie berühmt werden sollten, weil irgendein Verantwortlicher fand, zu einer Band, die vom Surfen sang, passe der Name Beach Boys – die Strandjungen – besser als Carl And The Passions.

Der Musikstudent Brian Wilson hatte gelegentlich schon mit seinem Cousin Mike Love und seinem Schulfreund Al Jardine musiziert. Als schließlich noch Brians Bruder Dennis und Carl hinzustießen, war das Unternehmen personell komplett. Hier setzt nun die Legende ein vom fleißigen gemeinsamen Proben in der elterlichen Wohnung der Wilsons, von der Blitzidee Bruder Carls, selbst begeisterter und talentierter Wellenreiter, ein Lied über diesen neuen Sport anzuregen, vom glücklichen Zufall in Gestalt eines Verlegers, der dem damaligen Bassisten und späteren Rhythmusgitarristen der Gruppe, Al Jardine, das Angebot machte, einen Folksong aufzunehmen (wie es heißt, ging die ganze Band mit zur diesbezüglichen Absprache, und es gelang, dem Verleger, statt des Folksongs das noch nicht einmal im Rohbau fertige Lied aufzuschwatzen) und schließlich von der Aufnahme eben jenes SURFIN‘ in einem kleinen Plattenstudio. Und Brian Wilson kommentierte jene Anfänge: „Dieses frühe Kapitel der Geschichte der Beach Boys ist in Vergessenheit geraten, aber es war wirklich der einfachste und unkomplizierteste Aufstieg zur Berühmtheit, von dem ich je gehört habe. Insofern gibt es auch wenig zu erzählen von unserem langen. schweren und entbehrungsreichen Kampf um den Erfolg, der so gar nicht stattgefunden hat.“

Landesweiter Erfolg war den Beach Boys dann schon mit ihrer zweiten Platte SURFIN‘ SAFARI beschieden, die 1962 erschien, und von da an zementierten sie ihren Ruf als Spitzenband mit einer Vielzahl von ebenso clever wie musikantisch gebauten knappen und prägnanten Liedern – z.B. mit THEN I KISSED HER, den ursprünglich die Damengruppe the Crystals unter der Titelzeile THEN HE KISSED ME intoniert hatte, mit ihrer Version von Bobby Freemans DO YOU WANNA DANCE, mit einer herrlich lockeren, fast parodistischen Fassung des alten Regents-Hits BARBARA-ANN oder mit SURFIN‘ USA, das nicht nur auf einer Komposition von Altrocker Chuck Berry fußte (SWEET LITTLE SIXTEEN), sondern auch gleich noch dessen Vorspiel mit übernahm.

Aber nicht nur mit Neufassungen früherer Hits bewiesen die Beach Boys eine glückliche Hand. Auch ihre eigenen Titel wie FUN FUN FUN; I GET AROUND und CALIFORNIA GIRLS wurden zu Bestsellern; ihr größter Hit wurde GOOD VIBRATIONS, eine der in sich geschlossensten Produktionen in der Geschichte der Rockmusik. (Schließlich hatte die Gruppe ja auch ein halbes Jahr lang im Studio daran gearbeitet.) Obwohl sie den Erfolg dieses Werkes fürderhin nicht wiederholen konnten, gelang ihnen in einer Zeit, als im internationalen Rockgeschehen ein Umbruch zu komplexeren Strukturen und problembewußteren Inhalten einsetzte, noch einmal ein großer Wurf mit DO IT AGAIN, in dem sie ihrer Sehnsucht nach den Freunden und Freuden „von damals“ Ausdruck verliehen.

Es scheint, als sei damit der Beitrag der Beach Boys zur Rockmusik abgeschlossen, mit einem Sack voll Lieder, in denen es (fast) nur um Sommer. Sonne, See, Mädchen und Motorräder geht, (fast) nur um Spaß. Aber was heißt eigentlich „nur“? Spaß und Lebensfreude musikalisch so zu gestalten, daß sie nie in wurstige Hau-Ruck-Fröhlichkeit, nie in egomanischen Erst-Mal-Ich-Anspruch umschlagen, ist gewiß auch ein Verdienst.

Die Beach Boys gibt es immer noch. 1981 veröffentlichte Lead-Sänger Mike Love seine erste Solo-LP, ein Jahr später wirkte die Gruppe bei Plattenaufnahmen von Elton John mit.

Auf dieser Platte sind 18 der schönsten Lieder aus der großen Zeit der Beach Boys vereinigt – aus der großen Zeit von Brian Wilson (bg, keyb, voc), Dennis Wilson (dr, voc), Carl Wilson (g, voc), Mike Love (lead-voc) und Al Jardine (g, voc) sowie Bruce Johnston (bg, voc), der Mitte der 60er Jahre den weiterhin als Komponisten, Arrangeur und Produzenten tätigen Brian Wilson ablöste – Lieder, deren Freude und Frische sich auch heute noch mitteilen.

Manfred Wagenbreth (1985)

Titelliste

A1 – Sloop John B (1966) – 2:56
(Trad. / Arr.: Brian Wilson)

A2 – Surfin‘ Safari (1962) – 2.03
(B. Wilson / M. Love)

A3 – Little Deuce Coupe (1963) – 1 37
(B. Wilson / R. Christian)

A4 – In My Room (1963) – 2:11
(B. Wilson / G. Usher)

A5 – Help Me Rhonda (1965) – 2:45
(B. Wilson)

A6 – I Get Around (1964) – 2:12
(B. Wilson)

A7 – Do You Wanna Dance? – 2:16
(B. Freeman)

A8 – Surfin‘ USA (1963) – 2:27
(C. Berry / B. Wilson)

A9 – Good Vibrations (1966) – 3:37
(B. Wilson)

B1 – Barbara – Ann (1965) – 2:05
(F. Fassert)

B2 – Then I Kissed Her (1965) – 2:13
(P. Spector / E. Greenwich / J. Barry)

B3 – Fun Fun Fun (1964) – 2:02
(B. Wilson / M. Love)

B4 – California Girls (1965) – 2:36
(B. Wilson)

B5 – Wouldn’t lt Be Nice (1966) – 2:24
(B. Wilson / Asher)

B6 – Do lt Again (1968) ¬ 2:26
(B Wilson / M. Love)

B7 – Girls On The Beach (1964) ¬ 2:23
(B. Wilson /M. Love)

B8 – I Can Hear Music (1969) – 2:34
(J. Barry / P. Spector/ E. Greenwich)

B9 – Break Away (1969) – 2:54
(B. Wilson / M. Love)

The Beach Boys

Kopplung (P) 1985 Capitol Records Inc.
Lizenz von EMI Records UK Limited

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Made In the German Democratic Republic
Fotos: EMI London
Lithografie und Druck: VEB VMW „Ernst Thälmann“,
Werk Gotha-Druck
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