oder: Was Du schon immer über AMIGA-Lizenz-Schallplatten wissen wolltest.

Jennifer Rush (1987)

AMIGA 856247
(eigene Sammlung)

Vorbetrachtung

Als Cover hat AMIGA die Rückseite der inneren Plattenhülle von der CBS-LP Movin‘ übernommen, während die AMIGA Rückseite das Bild vom Original-Cover ist – aber ohne Schriftzug.

Dafür wurde der Schriftzug vom Original-Cover auf das AMIGA-Cover in leicht veränderter Version übernommen. Der Name steht jetzt auf dem Cover mittig, ist rot unterstrichen und der Unterstrich wurde nach links erweitert.

Die Quellen der Fotos (Jim Rakete) wurden bei AMIGA nicht angegeben; vermutlich weil Jim Rakete seine Fotoagentur in Berlin-Kreuzberg (damals Westberlin/BRD) hatte.

Die Lieder wurden von der LP „Jennifer Rush“ (1984) und „Movin'“ (1985) übernommen.

Fehler:
Der Titel B4 (Yester-Me, Yester-You, Yesterday) hat auf den CBS-LPs keinen Bindestrich (Yesterme, Yesteryou, Yesterday). Das Original, 1969 geschrieben von Ron Miller and Bryan Wells für Steve Wonder, hatte wiederum Bindestriche.
Beim Titel B6 (Hero Of A Fool) wurde bei der amerikanischen Songwriterin Mary Susan Applegate das „S“ vergessen (M. [S.] Applegate) – beim Titel A3 (Power Of Love) ist der Name dagegen korrekt angegeben.

Thomas Groß

Covertext

Der schnelle und gründliche Erfolg der Jennifer Rush hat vorzüglich mit Leistung zu tun. Keine vorab inszenierten Skandale, die das Interesse und die Kauflust des Pop-Publikums ankochen sollten, keine kapriziösen Auftritte, keine freigebig verstreuten, doch nebensächlichen PR-Informationen. Einfach eine Stimme und einige Lieder, die immer häufiger zu hören waren, die immer mehr Liebhaber fanden. Nur mit Mühe sind überhaupt ein paar magere bio-grafische Fakten zu erfahren.

Jennifer Rush wurde 1960 geboren und hat zwei Brüder. Der Vater ist ein nicht unbekannter Bühnentenor, die Mutter Pianistin und als Korrepetitorin ebenfalls am Theater tätig. Von einem dreijährigen, durch elterliche Engagementswechsel verursachten Aufenthalt in der BRD abgesehen, wuchs sie in New York auf. Ihre Neigung zur Musik fand sich früh gefördert, und nach dem Abschluß der Oberschule versuchte sie es sofort mit einer Platte, die man in den USA „Iocal release“ nennt und mit der man in einem begrenzten Umfeld die Aussichten eines neuen Talents testet, ohne gleich die für eine nationale Karriere notwendigen Gelder zu investieren. Über das Ergebnis wird nichts vermeldet. Jennifer Rush hielt in jedem Fall erst einmal eine mehrjährige, grundsolide künstlerische Ausbildung für angebrachter. Sie studierte Gesang, Klavier und Geige. Letzteres sogar mit bühnenreifer Bilanz, wie sie selbst erzählt, auch wenn sie heute dafür keine einschlägige Verwendung weiß. Dazu absolvierte sie eine intensive Schulung in darstellerischen und tänzerischen Fächern. Eine Bühnenlaufbahn, vielleicht im Musical, lag familiärerseits nahe. 1983 wurde Jennifer Rush in München ansässig. Nun zeigte sich die in der BRD tätige internationale Abteilung von CBS ernsthaft an ihr interessiert und spannte sie mit dem Produzentenpaar Gunther Mende/Candy de Rouge zusammen. Eine Single wurde eingespielt und mit den Liedern 25 Lover/Surrender im Frühjahr 1984 veröffentlicht. Als sie sich wochenlang auf guten Chart-Plätzen hielt, folgte im September 1984 eine erste LP JENNIFER RUSH. Im Sog der Single war ihr Erfolg sicher, zumal sie mit Ring Of Ice, Come Give Me Your Hand und besonders der Sechs-Minuten-Ballade The Power Of Love weitere auskopplungsfähige Titel aufwies.

Sie definierten die künstlerische Eigenart und Stärke von Jennifer Rush augenblicklich, unverwechselbar und einhellig. Sie beruhen vornehmlich auf einer Stimme von beträchtlichem Wiedererkennungswert. Die gutturale Färbung gibt ihr einen sehr körperlichen Hintergrund, doch verliert sie, dank Anlage oder Ausbildung, nie an Wärme und Weiblichkeit. Ihre Kraft verfügt über ausreichende Schmiegsamkeit, die einzelnen Lagen sind völlig aufeinander bezogen, werden in der Höhe nicht schrill, in der Tiefe nicht schwach. Gleichmaß, Harmonie, Ausgewogenheit sind ihre hervorstechendsten Merkmale, aber vor kalter oder süßlicher Glätte bewahrt sie das sängerische Können. Es sichert der Stimme in den schnellen Titeln den vollen Klang und gestattet ihr in den langsamen jene intime Direktheit, auf die kein populäres Genre verzichten kann. Von einer bemerkenswerten Sängerin derart verwöhnt, bringen wir für ihre Lieder mehr Aufmerksamkeit auf, als der durchschnittliche Tagesschlager auf sich zieht. Musikstilistisch handelt es sich ja um gar nichts anderes als das, was derzeit weltweit als Synthi- bzw. Elektro-Pop und als Arbeit meist eines einzelnen Klangtüftlers – bei Jennifer Rushs Debüt-LP hieß er Harry Baierl – aus den Studios kommt. Freilich vermag die besondere Persönlichkeit eines Interpreten auch solchen Liedern zusätzliche Dimensionen zu erschließen, die sich vordergründig auf Unterhaltung beschränken. Wäre es nicht so, könnte niemand mehr das Uraltthema „Liebe“ mit einfachen Worten, mit unkomplizierten Melodien, also ohne Verfremdung und Ironie, dafür sogar mit Pathos ausdrücken. Jennifer Rush aber kann es, weil sie sich selbst von wuchtigen oder verspielten Arrangements nicht beiseite schieben läßt, und so hörte man von Anfang an nicht nur ihr zu, sondern man hörte auch ihren Liedern zu. Und nicht allein im Herstellungsland. Mit der Single The Power Of Love und ihrer LP wurde Jennifer Rush 1985 in England die erfolgreichste auswärtige Sängerin. Was sich nicht von selbst verstand, obgleich sie englisch singt.

Im September 1985 kam, wiederum mit Liedern aus dem konzerneigenen Musikverlag, die LP MOVIN‘ heraus und erfüllte die inzwischen hochgespannten Erwartungen einer angewachsenen Gemeinde vollauf, mit passend ausgesuchten, farbenprächtig zugeschnittenen und überlegen bewältigten Liedern. Mit je sechs Titeln von jedem Album läßt nunmehr die hier vorgelegte Auswahl kaum einen erwähnenswerten Song von Jennifer Rush aus. Die melodisch eingängige Single-Auskoppelung Destiny und das exotisch eingestimmte Live Wire bilden wie auch auf MOVIN‘ einen effektvollen Einstieg. Dann kommen The Power Of Love, Jennifer Rushs wohl bekanntestes Lied, Never Gonna Turn Back Again, das von weiblicher Selbstbehauptung, und Madonna’s Eyes, das eine eher geheimnisvolle Geschichte erzählt, drei Lieder der Debüt LP. Mit Testify von MOVIN‘ endet die A-Seite. Natürlich fehlen die frühen Singles-Erfolge Ring Of lce und 25 Lovers nicht; die B-Seite beginnt mit ihnen. Vier weniger gespielte, aber nicht weniger beeindruckende Titel folgen, jüngeren Datums das ernsthafte If You’re Ever Gonna Lose My Love und das burschikose Yester-Me, Yester-You, Yesterday, dessen originelle Schlagzeile allerdings Stevie Wunder zu danken ist, von der LP JENNIFER RUSH die gefühlsselige Ballade Come Give Me Your Hand und schließlich Hero OF A Fool, mit dem auch ihre zweite LP endet.

Mit einem gedanklich lotenden Text setzt genau dieses Lied nicht nur einen gewichtigen Schlußpunkt, sondern versetzt den Hörer auch in eine in die Zukunft führende Erwartung, indem es die synthetischen Töne ablöst durch den Naturklang von Klavier und Streichern oder zumindest den Eindruck davon. Denn ob natürlich erzeugt, ist eher zweifelhaft, aber der plötzliche, ganz dem Geist dieses schlichten Liedes verpflichtete Wechsel der musikalischen Sprache deutet interessante Entwicklungsmöglichkeiten an.

Wolfgang Tilgner (1986)

Titelliste

A1 – Destiny – 3:35
(C. de Rouge / G. Mende / M. D. Clinic)

A2 – Live Wire – 3:50
(T. Carey / J. Rush)

A3 – The Power Of Love – 6:00
(C. de Rouge / G. Mende / J. Rush / M. S. Applegate)

A3 – Never Gonna Turn Back Again – 3:28
(C. de Rouge / G. Mende / J. Rush)

A4 – Madonna’s Eyes – 3:30
(C. de Rouge / G. Mende / M. S. Applegate)

A5 – Testify With My Heart – 3:18
(C. de Rouge / G. Mende / J. Rush)

B1 – Ring Of Ice – 3:50
(C. de Rouge / G. Mende / J. Rush)

B2 – 25 Lovers – 3:37
(C. de Rouge / G. Mende / J. Rush)

B3 – If You’re Ever Gonna Lose My Love – 3:15
(C. de Rouge / G. Mende / J. Rush / M. D. Clinic)

B4 – Yester-Me, Yester-You, Yesterday – 3:15
(R. Miller / B. Wells)

B5 – Come Give Me Your Hand – 3:49
(C. de Rouge / G. Mende / H. Stern)

B6 – Hero Of A Fool – 3:37
(C. de Rouge / G. Mende / J. Rush / M. Applegate / M. D. Clinic)

Lizenzgeber CBS Records International

VEB DEUTSCHE SCHALLPLATTEN BERLIN DDR
Made in the German Democratic Republic
Lithografie und Druck: VEB VMW „Ernst Thälmann“, Werk Gotha-Druck
Ag 511/01/87A   Verpackung nach TGL10609

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