oder: Was Du schon immer über AMIGA-(Lizenz-)Schallplatten wissen wolltest.

Louis Armstrong & His All Stars – Live (1981)

AMIGA 850807
(1 Exemplar – Eigene Sammlung)

Covertext

„Wissen Sie, die Leute lieben mich und meine Musik, denn sie wissen ich liebe sie. Ich kenne keine Probleme mit Leuten. Man darf sein Publikum nicht betrügen. Ich bin mein Publikum; und ich habe einfach keinen Spaß, wenn ich mich selber schlecht spielen oder singen höre. Deshalb tue ich das auch nicht anderen an. Manche Kritiker sagen, ich sei ein Clown. Aber ein Clown, das ist etwas Großes. Es ist Glück, Leute glücklich zu machen. Die meisten, die kritisieren, können keine Note von der anderen unterscheiden. Wenn ich spiele, denke ich einfach an all meine glücklichen Tage, und dann kommen die Noten ganz von allein. Du mußt lieben, um spielen zu können.“

Diese Worte Armstrongs in einer Fernsehsendung zu seinem 70 Geburtstag charakterisieren ihn und sein Verhältnis zur Musik und zu den Menschen. Als er im Frühjahr 1965 mit Tyree Glenn (Posaune), Eddie Shu (Klarinette), Billy Kyle (Piano), Arvell Shaw (Baß), Danny Barcelona (Schlagzeug) und der Sängerin Jewel Brown unsere Republik besuchte und hier eine Reihe von Konzerten gab, hatten auch wir Gelegenheit, im unmittelbaren Dabeisein Satchmos Können, seinen Charme, seine Persönlichkeit und seine erfrischende Herzlichkeit zu erleben. Gewiß, Armstrong war da schon ein betagter Mann und nicht mehr ganz auf der Höhe seiner früheren Virtuosität. Und doch vermochte er die Tausende seiner Zuhörer in den Bann seiner Musik zu ziehen und wahre Beifallsstürme zu entfachen. Was Wunder, daß sich viele ein Schallplatten-Dokument aus dieser Zeit als Erinnerung an die beglückende Begegnung wünschten. Eine Zusammenstellung von elf Konzerttiteln aus jenen Jahren wird mit dieser LP vorgelegt, die von Jazz-Evergreens des frühen Jazz bis zu modernen Hits wie „Hello Dolly“ und „Cabaret“ reicht. Entstanden sind die Aufnahmen zwar erst zwei Jahre nach Armstrongs Gastspiel bei uns und auch mit einer anderen Besetzung der All Stars – aber sie können uns dennoch in etwa die Atmosphäre seines Besuchs wieder in Erinnerung bringen.

Es sind Zeugnisse aus dem letzten Abschnitt der Geschichte von Louis Armstrongs All Stars. Nach seinem frühen stilbildenden Wirken in den zwanziger Jahren hatte er sich ab etwa 1930 ganz auf ein Swingmusizieren mit großem Orchester konzentriert, den Forderungen der Unterhaltungsindustrie nachgebend und sie doch auf seine Weise immer wieder umformend und unterlaufend. Im Mai 1940 stellte Armstrong zum ersten Mal wieder eine kleine Studiogruppe im traditionellen Stil zusammen, in der auch Sidney Bechet (Sopransaxophon und Klarinette) und Zutty Singleton (Schlagzeug) mitwirkten. Armstrong hatte sich des ursprünglichen Jazz erinnert. Nach dem zweiten Weltkrieg gründete er wieder eine Hot Seven-Formation und schließlich seine All Stars, mit denen er seitdem in wechselnder Besetzung arbeitete. Die wichtigsten Mitglieder seiner in der Regel aus sechs Musikern bestehenden All Star-Formation waren: Jack Teagarden, Trummy Young und Tyree Glenn (Posaune); Peanuts Hucko, Barney Bigard, Edmond Hall, Joe Darensbourg und Eddie Shu (Klarinette); Earl Hines und Billy Kyle (Piano); Arvell Shaw, Dale Jones und Mort Herbert (Baß); Sidney Catlett, Cozy Cole, Barrett Deems und Danny Barcelona (Schlagzeug). Neben unzähligen Studioproduktionen sind von Armstrongs All Stars auch einige berühmt gewordene Konzertmitschnitte veröffentlicht worden wie das Town Hall Concert (New York 1947), das Konzert in der Symphony Hall (Boston 1947), das Konzert im Civic Auditorium (Pasadena 1951) oder das Konzert im Crescendo Club (Los Angeles 1955) usw. Im letzten Jahrzehnt ist darüber hinaus eine Fülle von Festivalmitschnitten, Aufzeichnungen von öffentlichen Rundfunkauftritten und dergleichen postum erschienen. Vier Titel aus der wohl besten Zeit der All Stars 1948 stellen wir auf der ersten Seite unserer Platte vor – mit einer glanzvollen Musikerelite, von der besonders der unvergessene Posaunist Jack Teagarden hervorgehoben werden soll. Diese Aufnahmen dürften auch für die Kenner und Liebhaber begehrte Sammlerstücke sein, obwohl sie nur in mangelhafter technischer Qualität erhalten sind.

Armstrong wäre jedoch nicht Armstrong gewesen, wenn er nur den Spezialisten und „Fans“ etwas zu sagen gehabt hätte. Es war immer sein Wunsch, allen mit seiner Musik Freude zu bringen. Insofern ist die bunte Mischung von Themen und Stücken, die unsere Auswahl enthält, typisch für Satchmo. Er fühlte sich sein Leben lang als Botschafter einer Musik, die Freude verbreitet und seine Hörer glücklich macht. Und so wird er unvergessen bleiben. Als er am 6. Juli 1971 starb, schrieb der sowjetische Dichter Jewgeni Jewtuschenko:

„Tu, was du immer getan hast:
Spiel weiter,
erheitere die Engel,
damit die Sünder in der Hölle
nicht gar zu gequält sind.
Erzengel Gabriel,
gib Armstrong eine Trompete!“

Werner Sellhorn (1981)

Titelliste

A1 – Black And Blue – 5:26
(Razaf – Waller – Brooks)

A2 – High Society – 3:25
(Steele – Melrose)

Louis Armstrong And His All Stars:
Louis Armstrong (tp, voc), Jack Teagarden (tb, voc), Barney Bigard (cl). Earl Hines (p), Arvell Shaw (b). „Big Sid” Catlett (dr)
rec. 9. September 1948, New York (Air Shot)

A3 – Heebie Jeebies – 2:59
(Atkins)

A4 – King Porter Stomp – 4:08
(J. R. Morton)

Louis Armstrong And His All Stars:
Louis Armstrong (tp, voc). Jack Teagarden (tb. voc), Peanuts Hucko (cl). Dick Cary (p), Eddie Condon (g), Arvell Shaw (b), „Big Sid” Catlett (dr)
rec. 23. November 1948, New York
(Broadcasts „Eddie Condon Show”)

A5 – That’s My Desire – 2:47
(Kresa – Loveday)

Louis Armstrong And His All Stars:
Louis Armstrong (p, voc), Tyree Glenn (tb, voc), Joe Muranyi (cl), Marty Napoleon (p), Buddy Catlett (b), Danny Barcelona (dr)
rec. Juli 1967, wahrscheinlich in Kopenhagen (live)

A6 – Ole Miss – 4:11
(Handy)

A7 – A Kiss To Build A Dream On –  2:58
(Hammerstein – Kalmar – Ruby)

B1 – Please, Don’t Talk About Me When I’m Gone – 3:22
(Statt)

B2 – When It’s Sleepy Time Down South – 2:40
(Rene – Muse)

B3 – Back Home Again In Indiana – 3:42
(Hanley – MacDonald)

B4 – Hello Dolly – 2:31
(Stewert – Herman)

B5 – St. James Infirmary – 1:40
(Traditional)

B6 – Blueberry Hill – 3:15
(Lewis – Stock – Rose)

B7 – Mack The Knife – 3:20
(Weilt)

B8 – Cabaret – 4:00
(Kander – Ebb)

Besetzung und rec. der Titel 8 bis 15 siehe Titel 5

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