oder: Was Du schon immer über AMIGA-(Lizenz-)Schallplatten wissen wolltest.

Joan Baez (1981)

AMIGA 855705
(1 Exemplar – unverkäuflich!)

Foto: EMI-Electrola

Cover-Text

Joan Baez kam 1941 im USA-Staat New York als Tochter eines Wissenschaftlers mexikanischer Abstammung zur Welt. Mit solchem Ethnischen Hintergrund hatte sie in Kalifornien, wo sie aufwuchs, schon die ersten Begegnungen mit der oft zitierten Toleranz im „Schmelztiegel der Nation“. Offensichtlich waren das Eindrücke bleibender Natur, auch wenn sie – basierend auf einem immerhin gutsituierten Mittelstandsdasein – nie zu schärfer, an die Wurzeln gehender Fragestellung führte. Auf alle Fälle hatt sie sich mit ihrer Kunst immer wieder zum Anwalt von Unterdrückten, Randgruppen und Außenseitern ihrer Gesellschaft gemacht.

Als sie zwölf Jahre alt war, griff sie zur Gitarre; das war also 1953, zu einer Zeit, da der Rock’n’Roll sich zu etablieren begann, mit einer Aussage, die plötzlich, wenn auch in veränderter Weise, über die schwarzen Ghettos hinaus Unzufriedenheitshaltungen junger Menschen verschiedenster Form artikulierte. Joans Musik orientierte sich jedoch sehr baldan der damals beginnenden Besinnung auf die vielfältigen folkloristischen Traditionen ihres Landes, die besonders unter den jungen Studenten, Intellektuellen, linksliberalen Bürgern als echte Alternative zum bürgerlichen Show-Geschäft an Bedeutung gewann. 1959 schaffte sie es – unangemeldet übrigens – beim Newport Jazz-Festivall aufzutreten, mit umwerfendem Erfolg. Ein Jahr spätererschien ihre erste Langspielplatte, die, mit stimmlich brillianten Wiedergaben englischer und amerikanischer Volkslieder bestückt, zu einem absoluten Bestseller unter den amerikanischen Folkloreplatten wurde.

Wie weiter? Kontakte mit anderen Leuten waren wichtig – mit großen Exponenten der amerikanischen Folksong-Szenerie: Pete Seeger, Phil Ochs, Buffy Sainte-Marie und Bod Dylan; insbesonders Bod Dylan. Sie war eine der ersten, die seine Lieder nachsangen und publik machten: DON’T THINK TWICE; IT’S ALL OVER NOW, BABY BLUE; FAREWELL ANGELINA …

In der Zeit des Aufbegehrens der jungen Generation in den USA gegen Militarismus, Rassendiskreminierung, in der Zeit der Aktionen gegen den Krieg in Vietnam, in der Zeit der sogenannten Hippie-Generation, der Flower-Power, des „Make Love – Not War“ stand sie als eine der Symbolfiguren, die die Jugend mobilisierten. Sie rief zur Kriegsdienstverweigerung auf; sie selbst verweigerte Steuerzahlungen weil, wie sie sagte, ein Teil dieses Geldes für Bomben und Panzer ausgegeben werde, und sie spendete Teile ihrer Konzerteinnahmen für pazifistische Organisationen.

Joan Baez ist stets ihrer sozialen Herkunft verhaftet geblieben, deshalb sind auch ihre politischen Meinungen und Aktionen sowie ihr Repertoire nicht frei von Ungereimtheiten und Widersprüchen.

DON’T THINK TWICE, IT’S ALL RIGHT – Eins von Dylans bittersten Liedern über das Scheitern einer Liebe, das gerade auch in Joan Baez‘ Interpretation sehr bekannt wurde. „Ich sage ja nicht, daß du nicht nett zu mir warst, sicher, du hättest netter sein können, aber das nehme ich dir nicht übel – du hast einfach irgendwie meine kostbare Zeit vergeudet, aber mach dir keine Gedanken darüber, ist schon gut …“

I DREAMED I SAW ST. AUGUSTINE – hier geht es um den Traum vom Besuch eines heiligen Märtyrers in den Elendsvirteln des heutigen Amerika, wo er an der Unbarmherzigkeit der gesellschaftlichen Realität zerbricht.

JOE HILL – Dieses Lied erzählt ebenfalls von einem Traum. Es ist eines der bekanntesten ordamerikanischen Arbeiterlieder über den 1915 ermordeten amerikanischen Gewerkschafter und Dichter Joe Hill. „Ich träume, ich sah Joe Hill heute nacht, so lebendig wie du und ich. Ich sagte: ‚Aber Joe, du bist doch schon zehn Jahre tot.‘ ‚Ich bin nie gestorben,‘ sagte er … ‚Von San Diego bis hinauf nach Maine, in jeder Grube und jeder Fabrik, wo Arbeiter ihre Rechte verteidigen, dort findet ihr Joe Hill.‘ “

PUT YOUR HAND IN THE HAND – „Leg deine Hand in die Hand des Mannes, der das Meer besänftigte,“ heißt es in diesem Gospel-Song. „Betrachte dich selbst, dann kannst du auch andere anders sehen …“

IT’S ALL OVER NOW, BABY BLUE – Noch ein wiederum von Bob Dylan stammendes Lied, wieder ist eine Liebe zuende gegangen und wieder ist der Abschied traurig. Anders als Dylan sagt Joan Baez in der letzten Strophe jedoch: “ Entzünde ein neues Streichholz, laß uns von vorn beginnen …“

BLOWIN‘ IN THE WIND -Diesem bekannten Lied über Fragen nach Frieden und Freiheit – „Die Antwort weht im Wind“ – hat Joan Baez hier eine japanisch gesungene Strophe vorangestellt.

WE SHALL OVERCOME – „Wir werden singen“, ein Lied, das wie kein zweites zur Hymne der amerikanischen Bürgerrechts- und Antikriegsbewegung wurde – „… enes Tages werden wir singen. Wir werden in Frieden leben.“

THE NIGHT THEY DROVE OLD DIXIE DOWN – In diesem Lied beklagt ein Arbeiter aus dem Süden der Vereinigten Staaten die Niederlage der Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg von 1865.

FAREWELL ANGELINA – Ein früher Song aus der Feder Bob Dylans. Hier wird in sehr subtielen Bildern die bedrückende Vision einer aus allen Fugen geratenen Welt gemalt: „… lebe wohl, Angeline, der Himmel explodiert. Ich muß dahin gehen, wo es still ist.“

ELEANOR RIGBY – Dieser Beatles-Song von Lennon/McCartney handelt von der Einsamkeit alter Leute: Eine alte Frau stirbt, und mit ihr zusammen wird auch ihr Name begraben. Niemand kommt zu ihrer Beerdigung. „Woher kommen all die einsamen Menschen? Wohin gehören all die einsamen Menschen?“

CARRY IT ON – Hier wird in einem Gospel-Song Mut gemacht, sich nicht von seinem Weg abbringen zu lassen,unbeirrbar zu bleiben: „Sie werden ihre Hunde ausschicken,auf das sie unsere Körper beißen, sie werden uns ins Gefängnis sperren, aber trag es weiter … Wenn du nicht weiter kannst, nimm die Hand deines Bruders. Jeder Sieg bringt einen neuen.“

LOVE IS JUST A FOUR-LETTER WORD – Ein sehr sarkastisches Liedvon Bob Dylan über Enttäuschungen und die vermeintliche Unmöglichkeit dauerhafter Liebesbeziehungen.

GHETTO – „Den Reichen gehören die großen Stadtzentren, und sie verachten uns wegen unserer Lebensweise. Aber wenn man als Kind eines armen Mannes geboren wurde, dann weiß man, daß einem nur das Ghetto bleibt,“ heißt es in diesem Lied.

IF I WERE A CARPENTER – In ihrer Fassung dieser sehr populären Ballade aus den sechziger Jahren fragt Joan Baez: „Wenn du ein Zimmermann wärst und ich eine Dame, würdest du mich dann trotzdem heiraten und ein Kind mit mir haben?“

SILVER DAGGER – Das Lied vom „silbernen Dolch“ ist die Absage eines Mädchens an ihren Verehrer. Ihre Mutter behütet die Ehre der Tochter mit eben jenem Dolchsowie abschreckenden Hinweisen auf die Unzuverlässigkeit und universelle Untreue der Männer.

Manfred Wagenbreth (1981)
 

Titelliste

A1 – Sag mir, wo die Blumen sind (Where Have All The Flowers) – 4:00
(Seeger / Colpet / Roussand / Lemarque)

A2 – Don’t Think Twice, It’s All Right – 2:59
(Bob Dylan)

A3 – I Dreamed I Saw St. Augustine – 3:14
(Bod Dylan)

A4 – Joe Hill – 2:59
(Robinson-Hayes)

A5 – Put Your Hand In The Hand – 3:20
(Gene Mac Lellan)

A6 – It’s All Over Now, Baby Blue – 3:21
(Bob Dylan)

A7 – Blowin‘ In The Wind – 3:15
(Bod Dylan)

A8 – We Shall Overcome
(Horton / Hamilton / Carawan / Seeger)

B1 – The Night They Drove Old Dixie Down – 3:20
(Robertson)

B2 – Farewell Angeline – 3:12
(Bob Dylan)

B3 – Eleanor Rigby – 2:17
(McCartney / Lennon)

B4 – Carry It On – 2:17
(Turner)

B5 – Love Is Just A Four-Letter World – 3:30
(Bob Dylan)

B6 – Ghetto – 4:32
(Bramlett / Banks / Crutcher)

B7 – If I Ware A Carpenter – 2:29
(Tim Hardin)

B8 – Silver Dagger – 2:29
(Traditional)

Eine Produktion der Vanguard Recording Society, New York/USA
mit freundlicher Genehmigung der EMI Electrola Gesellschaft mbH, Köln/BRD (P) 1979
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