oder: Was Du schon immer über AMIGA-(Lizenz-)Schallplatten wissen wolltest.

Angelo Branduardi (1983)

AMIGA 856002
(1 Exemplar – eigene Sammlung)

Covertext

1950 wurde ich zwischen dem Tessin und dem Naviglio in einem Haus geboren. das der Familie meiner Mutter gehörte. Sie entstammte dem Bauernstand …
Den größten Teil meiner Kindheit verbrachte ich jedoch in Genua. Dort begann ich auch, mein erstes Instrument zu erlernen – die Geige …
Mit fünfzehn Jahren kam ich nach Mailand, weit sich mein Vater aus beruflichen Gründen dort niederlassen mußte …
Als der Geigenunterricht beendet war, nahm die Gitarre – ein auch den Freunden zugänglicheres und willkommeneres Instrument – eine Zeitlang mein Interesse ganz und gar in Anspruch. 1968, ich hatte mich als Student an der philosophischen Fakultät eingeschrieben, begann ich, selbstgeschriebene „poetische“ Ergüsse und Texte „meiner Dichter“, die mich besonders beeindruckt hatten, zu vertonen …
Und es gab tatsächlich ein paar Leute, die meinten, meine Versuche seien gar nicht so übel …

aus Selbstbeschreibung (gekürzt)

Titelliste

A1 – L’Amico (Der Freund) -2:54
Ich, der vergessene Freund, werde ungesehen durch den Garten kommen, heute abend werde ich da sein, an die Tür klopfen, meine bunte Welt als Geschenk mitbringen, lächelnd werde ich mich enthüllen, wortlos. Ein Fest wird es geben für den Freund, den du nicht eingeladen hast.

A2 – Girotondo (Ringelreihen) – 6:35
Tanz, Mädchen, als wärst du eine Frau, und die Welt dreht sich um dich und tanzt Ringelreihen mit dir. Und du wächst wie die Welt und das gelbe Korn, im Nu wirst du Frau und tanzt Ringelreihen im Rhythmus der Welt. Und das grüne Gras wächst mit dir in ewigem Ringelreihen – halt nicht ein, die ganze Welt tanzt mit dir.

A3 – La Cagna (Die Hündin) -3:38
Im Morgenrot erst legte sich die weiße Hündin zitternd nieder in den Schnee, schleckte ihre goldfarbenen Jungen ab. Die Sonne stieg auf über dem vereisten Feld und wärmte noch kaum die blinden Kleinen. Und dann, als der Mensch sie ihr nahm, folgte sie ihm, als wär‘ es ein Spiel. Beim Sinken der Nacht umschloß das Eis im schwarzen Wasser die sieben Welpen, und der Mond über dem Teich schaute herab auf die weiße Hündin, die nichts begriff.

A4 – I Tre Mercanti (Die drei Kaufleute) -3:50
Gleich stummen Reitern kommen die Gedanken meinen Schlaf stören. Schwierig ist es für einen Alten auszuruhen, wenn ihm wieder einfällt, zur Sonne geritten zu sein. Schmerzhaft ist das Erinnern an die Zeit, da ich nach roten Lippen hinter Schleiern Ausschau hielt. Heute nacht zeigt der Himmel mit einem fremden Licht an: es ist Zeit aufzubrechen. Da hab ich die Meinen geweckt, erstaunte Augen in der Nacht, dann haben wir die wertvollsten Dinge zusammengesucht, wie einst beim Aufbruch zu fernen Handelsplätzen. Wer weiß, warum wir diesen Sand betraten, ziellos. Drei Fremde, haben wir uns schweigend zusammengefunden, erneut die Wüste zu durchqueren, wie einst zu fernen Handelsplätzen.

A5 – Barche Di Carta (Papierschiffchen) – 4:12
Die Kinder spielen, lassen einen Drachen steigen, schreien, lachen, schauen zum Himmel, falten Papierschiffchen, das Meer zu befahren, das ewig wogt … ewig wogt. Sie spielen, weinen und lachen, bauen bröcklige Sandburgen, die das Meer dann zerstört, das Meer, auf dem sich große Schiffe verlieren. Die Kinder sammeln Muscheln, das Meer zu hören, und Steine. Und immer wogt das Meer …

B1 – Musica – 5:15
Vielleicht liegt der richtige Weg gleich nebenan – reich mir die Hand, den Ort zu finden, wo es nie kalt ist und immer und überall Musik gibt, weite Erdbeerfelder, Zeit zum Lachen; dort will ich bleiben und diese Wärme des Windes atmen unter ziehenden Wolken. Und wir haben Zeit, ihnen nachzuschauen. Und dort ist es niemals kalt.

B2 – La Collina Del Sonno (Das Schlafhügelchen) – 5:40
Rund und rot geht die Sonne hinter dem Hügel unter, der Wächter des Schlafes kommt auf dich zu, und das weiße Kaninchen wohnt dort auf jenem Hügel. Seine Mutter fraß eines fernen Tages Maulbeeren und Eicheln – deshalb wohl hat es jetzt so lange Ohren. Lange schwarze Ameisenreihen ziehen auf jenem Weg, und die Frösche schweigen, wenn der Mond aus der Tiefe des Sees aufsteigt. Kommt die Schlafenszeit und es regnet, wirst du tausende Tropfen zu zählen haben – was mag das weiße Kaninchen dir wohl bringen vom Hügel der Träume?

B3 – Il Disgelo (Vom Eis befreit) – 4:03
Lange Monate unter gleichbleibendem Himmel scheint der Winter nie zu enden. In einer Flasche hab ich ein Schiff gebaut – wer weiß, wann ich frei sein und weiße Segel haben werde. Lange Monate und noch immer erträumst du deine Schiffe, ich aber habe schon die Enten zurückkehren sehen. Gehen wir ans Meer hinunter, bald wird es Eisgang geben, weiße Flügel werde ich dir geben, wie einer Möwe, die am Himmel schwebt. Gehen wir ein Stück, als wollten wir gehen soweit uns das Eis trägt. Wie eine Möwe über das Meer fliegt treibt uns der Wind, bis unser Schiff zerschellt, werde ich allein deine Braut sein.

B4 – Vola (Spreiz deine Arme und flieg) – 4:52
Er spannt weit die Flügel und fliegt, wenn es Zeit ist und das Wetter günstig. Er überläßt sich dem Wind, sicher, fliegen zu können. Er läßt die Erde zurück, nicht an Rückkehr denkend. Er fliegt mit dem Strom zum Licht, der Wind ist günstig, er weiß, er kann fliegen, schon ist er fern und schaut sich nicht mehr um. Zum Gefangenen macht dich der Abend, und die Flügel einfaltend träumst du schon davon, wie dich das Morgenrot befreien wird. – Spann deine Flügel und fliege …

Kompositionen: Angelo Branduardi
Titel 4: Angelo Branduardi / Franco Di Sabatino
Texte: Luisa und Angelo Branduardi

Übernahme von ARIOLA-EURODISC GmbH, München/BRD

VEB DEUTSCHE SCHALLPLATTEN BERLIN DDR
Made In German Democratic Republic
Foto: ARIOLA
Gestaltung: Gerd Semder
Lithografie und Druck: VEB Gotha-Druck
Ag 511/01/83/A Verpackung nach TGL 10609

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